09.09.2010, 11:01 Uhr
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Trauerrede Parl. Staatssekretär Christian Schmidt MdB
anlässlich des Trauergottesdienstes für Ferdinand Metz, am Donnerstag, den 29. Juli 2010
Verehrte Frau Monika Metz,

liebe Angehörige,

verehrte Trauergemeinde,

 

 

Ferdinand Metz ist heimgegangen.

Ihm wird dort vergolten werden, dass er hier das getan hat, was seine Kirche vom tätigen Christen fordert, nämlich, dass ein jeder überdenke, was er tut, und überlege, ob er dem Weinberg des Herrn dient.

„Die Christen sollen in der politischen Gemeinschaft jene Berufung beachten, die ihnen ganz besonders eigen ist.

Sie sollen beispielgebend dafür sein, insofern sie pflichtbewusst handeln und sich für das Gemeinwohl einsetzen.

Sie sollen durch ihre Tat zeigen, wie sich Autorität mit Freiheit, persönliche Initiative mit solidarischer Verbundenheit zum gemeinsamen Ganzen,

gebotene Einheit mit fruchtbarer Vielfalt verbinden lassen.

Berechtigte Meinungsverschiedenheiten in Fragen der Ordnung irdischer Dinge sollen sie anerkennen, und die anderen, die als Einzelne oder kollektiv solche Meinungen anständig vertreten, sollen sie achten.“

Wir alle, die Ferdinand Metz kannten, haben ihn als einen Menschen geschätzt, der sich weit über das normale Maß hinaus getreu dieser Aufforderung der Pastoralen Konstitution nach dem 2. Vatikanum Gaudium et spes in christlich-sozialer Überzeugung für seine Heimatstadt und ihre Menschen engagiert und verdient gemacht hat.

Dies ist das Fundament, auf dem er sein Wirken aufbaute und Verantwortung übernahm.

Durch sein über 40-jähriges Wirken im Fürther Stadtrat, viele Jahre davon als Fraktionsvorsitzender der CSU, hat er die Geschicke der Stadt maßgeblich mit beeinflusst. Er übernahm dabei auch weitere Aufgaben, sah seinen Platz in und für seine Mitbürgerinnen und Mitbürger, sei es als Aufsichtsrat der Fürther Wohnungsbaugesellschaft, als ehrenamtlicher Richter, als Diözesanrat oder sonst wo im öffentlichen Leben.

Die, die in seinen letzten Monaten Zeit mit ihm verbringen konnten, haben gespürt, dass er auch dann noch regen Anteil am Geschehen nehmen wollte, als er gegen seine Krankheit angekämpft hat und die Lebenskräfte langsam schwanden.

Was bleibt ist der dankbare Rückblick, die Erinnerung an einen großartigen Menschen, einen treuen Freund und außergewöhnlichen Politiker, und die Gewissheit für die Hinterbliebenen, dass sie in ihrer Trauer nicht alleine sind.

Mir kommen Worte aus einem Herbstgedicht Reiner Maria Rilkes in den Sinn:

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Dieser Eine, der dreieinige Gott, hat das Leben und Wirken von Ferdinand Metz – so geprägt, dass er andere prägen konnte.

So kann ich wie manch anderer sagen, dass auch ich ihm zu danken habe für seine wichtige Förderung und Unterstützung in Wort und Tat.

Das politische Engagement von Ferdinand Metz war eben nicht Selbstzweck, sondern Pflichtverständnis. Er hat den Inhalt des apostolischen Schreibens „Christifideles Laici“ (Christustreue Laien) von Johannes Paul II gelebt: Um die zeitliche Ordnung im Sinn des Dienstes am Menschen christlich zu inspirieren, können die Laien nicht darauf verzichten, sich in die »Politik« einzuschalten, das heißt in die vielfältigen und verschiedenen Initiativen auf wirtschaftlicher, sozialer, gesetzgebender, verwaltungsmäßiger und kultureller Ebene, die der organischen und systematischen Förderung des Allgemeinwohls dienen.

Dies spiegelt sich auch in seinem Engagement als Diözesanrat in der Erzdiözese Bamberg, als Dekanatsratsvorsitzender des Katholischen Dekanates Fürth und als Pfarrgemeinderat der Pfarrei St. Heinrich und Christkönig Fürth wider.

Offen und doch überzeugt und überzeugend war er in seiner politischen Arbeit. Dabei hat er sich dem Großen, Ganzen verpflichtet gefühlt, sein politisches Engagement als notwendige Folge seines christlichen Glaubens verstanden.

Es war insofern für den jungen Ferdinand eine gradlinige Selbstverständlichkeit, in der Jungen Union und in der Christlich Sozialen Union in diesem Sinne politisch zu wirken.

Die CSU war für ihn keine Zufallsbekanntschaft, sondern geistige und politische Heimat.

Wir in der Christlich-Sozialen Union, seiner Partei, und seine Wähler konnten dies spüren.

Er war erster Kreisvorsitzender der Jungen Union in seiner Heimatstadt, über 40 Jahre lang Mitglied des Fürther Stadtrates, viele Jahre davon als Fraktionsvorsitzender. 1990 stellte er sich für die CSU als Oberbürgermeisterkandidat zur Wahl.

In schwieriger Zeit in den neunziger Jahren, als mit der Grundig-Krise und manch anderen wirtschaftlichen Schwierigkeiten auf der einen und dem Rückzug der amerikanischen Streitkräfte auf der anderen Seite, Herausforderungen und Chancen auf die Stadt Fürth zugekommen waren, hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass die Stadt Fürth zu einer neuen Blüte geführt werden konnte. Ich kann mich an seine immer aufmerksame, zielgerichtete und erfolgreiche Verhandlungsführung gerade in diesem Zusammenhang gut und dankbar erinnern. Wir haben ihm hierfür insbesondere zutiefst zu danken.

Über 60 Jahre gehörte Ferdinand Metz unserer Partei an, die er nicht als normale politische Interessenvertretung verstand, sondern vor allem als christlich orientierte Wertegemeinschaft. Er hat im wahrsten Sinne des Wortes die Geschichte der CSU ein großes Stück mitgeschrieben.

Dabei hat er viele schöne, erfolgreiche Zeiten und aber auch manche Niederlage hinnehmen müssen, Situationen, die er einordnete und die ihn in Wahrheit nicht aus der Bahn werfen konnten.

Bis ins hohe Alter vertrat er als CSU-Ehrenmitglied und CSU-Ehrenfraktionsvorsitzender die Ideen und Gedanken seiner Partei, empfahl, kommentierte und forderte.

Sein politisches Wirken war auch auf die Ökumene ausgerichtet, die Gemeinsamkeit von Christen aller Konfessionen, die in der Zeit seiner Jugend bis 1945 zum Nachteil aller Christen und der ganzen Welt nicht zustande gekommen war. Dafür danke ich ihm als evangelischer Christ.

Ferdinand konnte motivieren und war Vorbild gebend – nicht nur in der Christlich-Sozialen Union, auch bei vielen anderen Institutionen, Organisationen und Gremien.

In seinem gesamten Wirken war Ferdinand Metz stets ehrlich und authentisch, ausgestattet mit sicherem Gespür für das Notwendige, das Richtige und das den Menschen Dienende.

Und wenngleich die Nachdenklichkeit und ernsthafte Grundsatztreue für ihn stets von hoher Bedeutung waren, fehlte es ihm nicht an Humor und Lebensfreude.

Ferdinand Metz war bei allen seinen Tätigkeiten, Aufgaben und Ehrenämtern stets Motor und Seele zugleich, war Ansprechpartner für alle, die Unterstützung brauchten, ein Anliegen hatten oder sich einfach nur aussprechen wollten.

Mit dankbarem Respekt würdige ich als ein jüngerer Weggefährte, der aber doch manche Verantwortung mit ihm geteilt hat, die Arbeit von Ferdinand Metz für die CSU auf allen Ebenen. All seine Ämter und Amtszeiten aufzuzählen, ist heute nicht möglich.

Und so sage ich für die CSU „Vergelt’s Gott, Ferdinand“. Ich sage „Vergelt’s Gott" im Namen von Fraktionsvorsitzendem Dr. Joachim Schmidt sowie allen seinen Fraktionskollegen, im Namen meiner Landtagskollegin Petra Guttenberger, des CSU-Kreisvorsitzenden Gerhard Fuchs sowie des gesamten Kreisvorstandes, von Bernd Leibinger für den CSU-Ortsverband Burgfarrnbach-Unterfarrnbach-Atzenhof und im Namen aller CSU-Freunde in Fürth und darüber hinaus, persönlich auch ausdrücklich für unseren früheren Oberbürgermeister Wilhelm Wenning und Ministerpräsident a.D. Dr. Günter Beckstein.

Im Gefühl tiefer Dankbarkeit und in Erinnerung an das Vorbild, das er gegeben hat,  Werte und Geist verkörpert, aber nicht in einem abstrakten, weltabgewandten Sinne, sondern so, wie Thomas Mann es in seinen „Betrachtungen eines Unpolitischen“ formuliert: „Geist ist Tat, die für den Menschen geschieht; - und so sei der Politiker Geist, und der Geistige handle!“

Er hat dafür manche Stunde und manchen Tag gegeben, wenngleich er zwar für die Politik, aber nicht von der Politik lebte, sondern zuvörderst seiner unternehmerischen Tätigkeit für seine Druckerei die notwendige Zeit gewidmet hat.

Sie, liebe Frau Metz, wissen dies mit Ihren Kindern und deren Familien am besten, weil Sie ihn deshalb oft entbehren mussten, wenn er gerade für andere unterwegs war.

Sie haben dies aber stets nicht nur mitgetragen, Sie haben ihn unterstützt und waren ihm zu Hause der ruhende Pol und reflektierender und ermutigender Gesprächspartner. Und sie haben ihn getragen und ihm zur Seite gestanden in den letzten, schweren Monaten, als spürbar war und er es sicherlich im innersten auch wusste, dass er sich rüsten musste für den Weg hinaus aus dieser Welt in das Reich Gottes.

Sein Wirken wurde mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt. So wurde er unter anderem 1995 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. 1997 erhielt er den Päpstlichen Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“. Seit 2008 war er Träger des Goldenen Kleeblatts der Stadt Fürth.

Hinzukommt das Wissen um ein verdienstvolles Leben als eigentliche Erinnerung im Sinne von Plutarch: „Habe ich eine gute Tat vollbracht, so soll die mein Denkmal sein; und wenn nicht, dann helfen alle Bildsäulen nichts“.

Der Verstorbene hat in seinem Leben sehr viel Gutes vollbracht und so verneigen wir uns in Hochachtung vor unserem Freund Ferdinand Metz.

Möge uns allen in unserer Trauer die Gewissheit trösten, die auch Ferdinand Metz hatte: dass Jesus Christus den Tod besiegt hat und uns die Hoffnung auf ein Wiedersehen bleibt.

Ihnen, liebe Frau Metz, den Kindern, ihren Familien und allen Angehörigen gilt unser tief empfundenes Mitgefühl.

Wir Gefährten werden sein Wissen, seinen Rat und besonders den Menschen Ferdinand Metz sehr vermissen, doch wir werden die Erinnerung bewahren. Erinnerung ist die Dankbarkeit des Herzens.

Requisceat in pacem!

 

 
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